Die Wirtschaftskrise lässt viele Privatanleger an den Kreditinstituten zweifeln. Sie haben mit abstrakten Finanzprodukten, die sie nicht verstanden, viel Geld verloren. Als Alternative positionieren sich die “grünen” Banken. Neben einem reinen Gewissen versprechen sie finanzielle Sicherheit und Transparenz.

Kunden grüner Banken verzichten oft auf überdurchschnittliche Zinsen und Renditen. Dafür bemühen sich die Geldinstitute um umweltverträgliche und sozial gerechte Investitionen. Dazu gehören beispielsweise erneuerbare Energien oder der Bau bezahlbaren Wohnraums. “Wir betreiben das klassische Bankgeschäft unter Beachtung ökologisch-sozialer Gesichtspunkte”, erläutert Thomas Jorberg, Vorstandssprecher der GLS Bank das Geschäftsmodell.




Mitten in der Krise, die andere Banken an den Rand des Abgrunds führte, erleben die grünen Banken einen regelrechten Boom. Die 1974 gegründete GLS Bank beispielsweise gewann im ersten Halbjahr rund 7000 Neukunden, dabei stieg ihr Geschäftsvolumen – die Bilanzsumme – um knapp 30 Prozent auf 1,3 Mrd. Euro

“Ein nachhaltig gemanagter Fonds bietet langfristig gute Erfolgschancen”

Die Nürnberger Umweltbank hat ihre Bilanzsumme von Januar bis Juni ebenfalls deutlich gesteigert. Auch die noch kleinere Ethikbank erlebte im ersten Halbjahr ein Wachstum von rund 15 Prozent. “Das ist unter anderem ein Zeichen dafür, dass die grünen Banken ihre Nische verlassen haben”, sagt Bankexperte Markus Feck von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Mittlerweile suchen auch andere Anbieter einen Platz auf dem grünen Zweig der Nachhaltigkeit. Versicherer wie Allianz, HDI-Gerling oder Ergo werben inzwischen mit nachhaltigen Renten- und Lebensversicherungen. Bei diesen fondsgebundenen Anlagen entscheidet der Verbraucher, in welche der ausgewählten Ökofonds seine Beiträge fließen sollen. “Ein nachhaltig gemanagter Fonds bietet langfristig gute Erfolgschancen”, glaubt Allianz-Fachmann Udo Rössler. “Sie sind häufig Markt- oder Innovationsführer.”

Doch mit einem Anlagevolumen von nur knapp 10 Mio. Euro ist der Anteil nachhaltig gemanagter Fonds bei der Allianz Lebensversicherung nach wie vor gering. Wer wirklich sicher sein will, dass sein Geld nur ökologisch und sozial “sauber” angelegt wird, muss sich gut informieren: Verbraucherschützer Feck warnt vor Ökofonds, die nur anteilig in nachhaltige Unternehmen investieren, den Rest aber in traditionelle Werte. “Jeder muss für sich entscheiden, wie weit er es mit dem Ökogedanken treiben möchte”, sagt er und rät dazu, im Zweifelsfall genau nachzufragen.




Die Ökobanken sind durchaus risikobewusst und suchen Sicherheiten

Eine weitere Tücke liegt im gängigen “Best-in-Class”-Verfahren, das die Nachhaltigkeit eines Unternehmens im Verhältnis zur gesamten Branche beurteilt. Dabei schaffen es mitunter Ölkonzerne, Fluggesellschaften und andere Umweltverschmutzer in die Ökofonds, weil sie in ihrer Branche als “Klassenbeste” in Sachen Nachhaltigkeit gelten.

Besorgte Investoren wechseln nicht nur der Umwelt zuliebe in eine Ökoanlage. “Viele Anleger überzeugt der Sicherheitsaspekt ebenso wie die Transparenz, der Umweltaspekt ist dabei ein toller Zusatznutzen”, sagt Alexander Stark von der Umweltbank. Grüne Banken legen in der Regel weitreichende Daten zu Kreditvergabe und Kapitalanlagen im Internet offen. Ein weiterer Pluspunkt:

Die Ökobanken sind durchaus risikobewusst und suchen Sicherheiten. Beispiel Solarenergie oder Biostrom: Kredite für neue Anlagen geben sie in solcher Höhe aus, dass die staatlich garantierte Einspeisevergütung Zinsen und Tilgung deckt. Das Ausfallrisiko sei somit gering, sagt Stark.

Der Nachhaltigkeitsindex hat höhere Renditen aus der Aktienindex MSCI Welt

Diese Zurückhaltung bei der Kreditvergabe ist besonders in der Krise bei risikoscheuen Anlegern beliebt. Sylke Schröder, Mitgründerin der thüringischen Ethikbank, führt den Kundenzuwachs auf ihre konservative Geschäftspolitik zurück. “Wir sind nicht ins Spielkasino gegangen; wir tätigen keine abenteuerlichen Investments”, sagt sie. “Das hat sich jetzt ausgezahlt, obwohl es lange Zeit als furchtbar langweilig galt.”

Im Markt für Ökopolicen tummeln sich mittlerweile aber auch Anbieter außerhalb der Bankenscene. Die Krankenkasse Securvita ist für den Schwerpunkt alternative Behandlungsmethoden bekannt. Eine Service-Tochter bietet als Vermittler auch eine “grüne Rente” an, die ein irischer Partner bereitstellt. Der unterliegende Fonds bildet den Naturaktienindex NAI ab, der die Kursentwicklung von 30 nachhaltigen Unternehmen verfolgt. Ausgeschlossen sind Firmen aus Rüstung, Atomenergie oder Gentechnik.

Auch der Lebensversicherer Oeco Capital richtet seine Kapitalanlagen am NAI aus – nicht zuletzt wegen der bislang überzeugenden Rendite. Laut Stiftung Warentest hat der 1997 gegründete Nachhaltigkeitsindex in den ersten zehn Jahren eine jährliche Durchschnittsrendite von 15,6 Prozent erreicht. Zum Vergleich: Der konventionelle Aktienindex MSCI Welt stieg im selben Zeitraum um 6,7 Prozent pro Jahr.

Quelle: FTD.de